Mittwoch, 3. Juni 2026

Wo soll ich anfangen? Vom Autorentraum zum Manuskript

Du hast seit Jahren diese Idee, die dir im Kopf herumschwirrt, und die eines Tages zum Roman werden soll. Du hast eine Welt entwickelt mit Völkern, Kulturen und Historie. Du hast bis ins kleinste Detail einen Plot entworfen, dessen Stränge sich zu einem grandiosen Showdown zusammenballen. Du hast das neueste Autorenprogramm, das dich mit blinkendem Cursor anstrahlt. Du hast vielleicht sogar schon Cover und Klappentext entworfen.(1)

Aber eines hast du nicht: Ein Manuskript in Arbeit.

Lass dir sagen, du bist damit gar nicht so allein. Sehr viele Menschen würden gerne einmal einen Roman schreiben, aber die wenigsten tun es wirklich. Damit dein Buch nicht für immer ein Traumschloss bleibt, habe ich ein paar Tipps für dich gesammelt, wie du deine inneren Hürden überwinden kannst und eifrig in die Tasten haust.

Finde heraus, was dich hemmt

Es gibt mehrere Gründe, warum viele den Traum nicht zur Wirklichkeit machen. Einer davon ist, dass sie einfach keine Zeit finden. So ein Buch zu schreiben dauert eine Weile, und wenn man ganz am Anfang steht, sieht das vielleicht aus wie ein unüberwindbarer Berg.

Wie besteigt man einen Berg? Schritt für Schritt.

1. Mach regelmäßiges Schreiben zur Gewohnheit

Du musst nicht auf einen Rutsch ein ganzes Kapitel produzieren. Nicht einmal eine ganze Szene. Selbst wenn du dich jeden Tag hinsetzt und nur einen einzigen Absatz schreibst, hast du am Ende vom Jahr schon ein paar Kapitel zusammen. 

Hilfe, ein Jahr und die Geschichte ist dann immer noch nicht fertig? Trotzdem wirst du so am Ende mehr Kapitel geschrieben haben als in den Jahren zuvor. Und wenn deine Geschichte erstmal ins Rollen kommt, dann schreibst du vermutlich sowieso mehr als nur einen Absatz.

Aber du musst es regelmäßig tun. Finde eine Lücke in deinem Terminplan, die du dir fürs Schreiben reservierst. Jeden Tag eine halbe Stunde nach dem Abendessen. Die 20 Minuten Bahnfahrt zur und von der Arbeit/ Uni/ Schule. Oder jeden Sonntag zwei Stunden, die du dir blockst. Diese Zeiten solltest du einhalten. Genauso, wie du dir Zeit fürs Essen und Schlafen reservierst, nimmst du dir Zeit fürs Schreiben und legst andere Termine drumherum. Wenn du erst einmal eine Routine entwickelt hast, kannst du dich Stück für Stück voran arbeiten.

Gut, du hast dir eine regelmäßige Schreibzeit reserviert. Und jetzt sitzt du da und tippst einen Satz und findest ihn furchtbar und löschst ihn wieder. Nix, was du schreibst, klingt nach einem Romananfang, und du schaffst es einfach nicht, deine Gedanken in Worte zu verwandeln. Deine Zeilen erscheinen dir einfach nicht gut genug, um dem Werk deiner Träume gerecht zu werden. Was tun?

2. Sei geduldig mit dir selbst

Manche Autoren geben sofort auf, wenn ihre ersten Zeilen nicht perfekt klingen. Aber du würdest doch auch nicht erwarten, dass du konzertreif bist, wenn du das erste Mal eine Geige in die Hand nimmst, oder? Warum erwartest du dann von dir selbst beim Schreiben sofort Perfektionismus? 

Okay, wenn du nicht gerade in die erste Klasse gehst, bist du kein totaler Schreibanfänger. Aufsätze, Referate, Social Media Posts, Urlaubspostkarten, Liebesbriefe, Einkaufszettel … Aber vom Grundschulaufsatz bis zum Bestseller besteht ein gewaltiger Unterschied und es gibt dazwischen einige Dinge zu lernen und zu verstehen. Schreiben erfordert, wie jedes Hobby, Übung. Setz dich nicht unter Druck, je mehr du schreibst, desto besser wirst du werden, und wenn dein Anfang nicht gut ist, dann schreibst du ihn eben später nochmal neu. 

Was du nicht tun solltest, ist den Anfang wieder und wieder zu schreiben und zu überarbeiten und zu verwerfen, bevor du dich an die nächsten Szenen traust. Du kannst das tun, wenn du in der Feinschliffphase bist, bevor du dich an die Veröffentlichung machst, aber am Anfang wirst du dabei nichts lernen. Woher auch, du hast ja zwischen der letzten Version und der neuen keine Erkenntnisse gehabt. Du wirst nur immer frustrierter, weil du so viel Arbeit in etwas steckst und nicht vorankommst.

 Es gibt in der Schreibcommunity den Spruch "schreib schlecht!" und so seltsam das klingt, schlecht zu schreiben ist völlig okay. Überhaupt zu schreiben ist zunächst einmal das Ziel. Produziere erst einmal eine komplette Rohversion deiner Geschichte, und danach kannst du dich mit deiner ganzen gesammelten Erfahrung daran machen, sie zu überarbeiten und wirklich zu verbessern. Keine Angst, ich werde dir dabei helfen, wenn es so weit ist.

Du sitzt also jetzt jeden Tag da und tippst brav deine Zeilen, wie verkorkst sie dir in dem Moment auch vorkommen. Und das Ganze wird jetzt so weitergehen, vielleicht ein Jahr, vielleicht mehr (schließlich schwebt dir ein fünfteiliger Fantasyzyklus vor), während draußen die Sonne scheint und das Leben vorüberzieht und außerdem ist bei Steam gerade Summer sale … Warum nochmal hast du dir eigentlich kein aufregenderes Hobby ausgesucht? Am Ende scheitert das ganze Projekt noch an fehlender Motivation.

3. Du bist nicht allein!

Schreiben klingt nach einem einsamen Hobby, und wenn das ein Grund für dich ist, warum du es so liebst, sperr die Welt aus und mach es dir in deiner Schreibecke mit deinen eigenen Welten gemütlich. Aber auch für die extrovertierteren Schreiberlinge gibt es Möglichkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu motivieren.

Es gibt Online-Schreibforen, wo sich Schreibende austauschen können, gegenseitig Texte lesen und kritisieren und Hilfe bei Plotproblemen geben. Oder du schließt dich einem Autorenstammtisch an, wo man sich in geselliger Runde trifft und gemeinsam schreibt oder über die Figuren lästert, die nie tun, was sie sollen. Mit etwas Glück findest du einen Schreibbuddy und ihr könnt euch gegenseitig eure neuesten Szenen schicken oder gar vorlesen. Es gibt Schreibkurse, wo du nicht nur andere Leute kennenlernst, sondern auch ein paar Tricks und Kniffe lernen kannst, und schließlich kleine und große Buchmessen, auf denen sich Verleger, Autoren und Leser tummeln. 

So ein regelmäßiger Austausch kann helfen, dass du am Ball bleibst. Wenn fünf Bekannte auf deine neueste Szene warten, dann motiviert das schon ordentlich, sie zu schreiben. Ehrliches Feedback kann helfen, dich zu verbessern oder dich zu trauen, deine Geschichte in neue Richtungen zu lenken. Und schließlich kann man auch einfach mal ganz fern von Schreibthemen quatschen und Spaß haben. 

Und wenn du doch lieber für dich alleine werkelst, gibt es trotzdem Möglichkeiten, dich zu motivieren. Tracke deinen täglichen Fortschritt, indem du Wörter zählst. Oder setzte dir Zwischenziele bei bestimmten Ereignissen in deiner Geschichte. Erstelle dir ein Cover, Portraits deiner Figuren oder ein Moodboard, um dir selbst Lust auf deine Geschichte zu machen. Pass nur auf, dass du vor lauter Nebenquests das Schreiben nicht vernachlässigst.  

Schreiben ist ein Hobby, das sehr leicht zugänglich ist. Es kostet praktisch nichts, es hat eine große Community und am Ende hast du ein oder vielleicht sogar ein Dutzend Bücher in deinem Regal mit deinem Namen drauf. Gib dir einen Ruck und mach dem Schritt vom Traum, irgendwann mal einen Roman zu schreiben, zum Autoren.

Ich wünsche inspiriertes Schreiben!


1) Wenn du das alles noch nicht hast, lass dich nicht entmutigen! Dazu kommen wir in den nächsten Beiträgen. 


Falls du Fragen oder Probleme hast, über die du gerne einen Blogbeitrag hättest, hinterlasse einfach einen Kommentar


  

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wo soll ich anfangen? Vom Autorentraum zum Manuskript

Du hast seit Jahren diese Idee, die dir im Kopf herumschwirrt, und die eines Tages zum Roman werden soll. Du hast eine Welt entwickelt mit V...