Mittwoch, 17. Juni 2026

Klappentexte, die Lust auf mehr machen

 Wenn man ein Buch geschrieben, überarbeitet, nochmal überarbeitet und schließlich gesetzt hat, ist die Arbeit noch nicht vorbei. Es gehören noch viele kleine Dinge dazu, die über den Erfolg deines Buches bestimmen, und deswegen sollte man die nicht dahinpfuschen, auch wenn man endlich sein Buch auf die Welt loslassen will.

Eines dieser kleinen Dinge ist der Klappentext, die paar Zeilen, die hinten auf dem Buchrücken stehen und die oft darüber entscheiden, ob ein Leser zu deinem Buch greift oder doch lieber zu dem daneben. Also was kannst du tun, damit der Leser sich für deines entscheidet?

Ich habe schon einigem Autoren bei der Erstellung eines Klappentextes geholfen, und eine Sache, die mir immer wieder auffällt, ist, dass die Autoren am liebsten überhaupt nix über ihre Geschichte preisgeben wollen. Das sieht dann etwa so aus (fiktives Beispiel):

Anton ist als Eigenbrötler aufgewachsen und hatte immer Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen. Als er auf Beatrix trifft, ein einsames Mädchen, die von der ganzen Welt übersehen wird, ist er der einzige, der zu ihr eine Verbindung aufbauen kann.

Die beiden freunden sich an und finden ineinander jemanden, mit denen sie ihre Interessen, Sorgen und Geheimnisse teilen können.

Doch dann passiert beiden ein Fehler und sie werden mit einem Problem konfrontiert, das sie nicht lösen können. Gleichzeitig gerät Beatrix in Gefahr, denn ihre Vergangenheit birgt etwas Finsteres, für das sie bald den Preis bezahlen muss.

Anton macht sich auf, sich den Gefahren zu stellen.

Würdest du diese Geschichte lesen wollen? Vielleicht. Aber das Problem hier ist, dass du viel zu wenig Informationen bekommst, um dir ein Urteil darüber bilden zu können. Viele Autoren haben so Bammel davor, zu viel von ihrer Geschichte zu spoilern, dass sie stattdessen überhaupt nichts darüber verraten. Aber wenn du nichts verrätst, was genau soll dann dem Leser Lust darauf machen, sie zu lesen?

Versuchen wir mal, ein bisschen mehr zu verraten:

Anton ist Teilzeit-Dämonenjäger. Mit Menschen kommt er weniger gut zurecht, aber als er bei einem Einsatz Beatrix trifft, die aufgrund eines Fluchs bei der Evakuierung eines Badeparks schlicht übersehen wurde, entpuppt er sich als der Einzige, der zu ihr eine Verbindung aufbauen kann.

Die zwei stellen fest, dass sie beide das Sammelkartenspiel Mystische Wunderwesen lieben, das ihnen die Möglichkeit gibt, ihre einsame Kindheit nochmal neu zu erleben, diesmal mit einem Freund an ihrer Seite. 

Als sie aus Versehen beim Spiel einen Völlerei-Dämonen beschwören und damit ein Loch in die Dimensionen reißen, bricht das Chaos über ihre Stadt ein. Während Anton mit allen Mitteln versucht, den Dämonen zu stoppen, erinnert sich Beatrix an eine Wunschbox, die sie von ihrer Patentante zur Geburt geschenkt bekommen hat. Doch als sie den Wunsch dazu benutzt, das Dimensionstor zu schließen, bemerkt sie zu spät, dass sie damit einen Pakt mit dem Feenreich eingeht.  

Anton muss sich entscheiden, ob der den Dämonen bannen oder sich gegen das Feenreich stellen soll, um Beatrix zurück in ihre Welt zu holen.

Würdest du dieses Buch lesen? Ob die Antwort ja oder nein ist, ich bin sicher, du kannst dir ein viel besseres Urteil bilden, ob diese Geschichte deinen Geschmack trifft.

Was du beim Erstellen eines Klappentextes beachten solltest:

  • Deute an, in welchem Genre deine Geschichte spielt und welche Grundstimmung den Leser erwartet. Wenn deine Geschichte düstere Fantasy mit viel Splatter ist, schreibe keinen Klappentext, der sich nach einer lustigen Fantasykomödie anhört und umgekehrt.
  • Stelle zunächst deine Hauptfiguren so vor, dass du die Eigenschaften hervorhebst, die sie interessant machen. Das kann ihr Beruf sein, eine besondere Fähigkeit oder auch einfach nur ein ungewöhnliches Interesse, das sie in der Flut von Romanfiguren einzigartig macht.
  • Erkläre den Grundkonflikt deiner Geschichte. Was muss deine Figur erreichen, welche Hindernisse kreuzen ihren Weg und was steht auf dem Spiel, wenn sie es nicht schafft? Wirf hier so viele einzigartige Ideen ein, wie du kannst, um deine Geschichte von allen anderen abzuheben. insgesamt darf dein Klappentext ganz konkret etwa die erste Hälfte deines Buches beschreiben. 
  • Gib danach einen kurzen Ausblick darauf, was passieren wird, nachdem die Geschichte ins Rollen kommt. Hier musst du nicht zu viel verraten, aber ein paar Stichworte, die Interesse wecken, wie es weitergeht, solltest du schon fallenlassen.
  • Vermeide vage Beschreibungen. Formulierungen wie "ein dunkles Geheimnis", "ein Schatten aus der Vergangenheit", "ein verzwicktes Problem", "ein Rätsel" oder "eine große Gefahr" sind abgedroschen und nichtssagend. Beinahe jede Geschichte hat eines oder mehrere dieser Elemente. Zeige dem Leser genau, warum er ausgerechnet deine lesen soll!
Wie lautet der Klappentext deiner Geschichte? Wenn du magst, kannst du ihn unten teilen, vielleicht findest du so gleich neue Leser! 

Mittwoch, 3. Juni 2026

Wo soll ich anfangen? Vom Autorentraum zum Manuskript

Du hast seit Jahren diese Idee, die dir im Kopf herumschwirrt, und die eines Tages zum Roman werden soll. Du hast eine Welt entwickelt mit Völkern, Kulturen und Historie. Du hast bis ins kleinste Detail einen Plot entworfen, dessen Stränge sich zu einem grandiosen Showdown zusammenballen. Du hast das neueste Autorenprogramm, das dich mit blinkendem Cursor anstrahlt. Du hast vielleicht sogar schon Cover und Klappentext entworfen.(1)

Aber eines hast du nicht: Ein Manuskript in Arbeit.

Lass dir sagen, du bist damit gar nicht so allein. Sehr viele Menschen würden gerne einmal einen Roman schreiben, aber die wenigsten tun es wirklich. Damit dein Buch nicht für immer ein Traumschloss bleibt, habe ich ein paar Tipps für dich gesammelt, wie du deine inneren Hürden überwinden kannst und eifrig in die Tasten haust.

Finde heraus, was dich hemmt

Es gibt mehrere Gründe, warum viele den Traum nicht zur Wirklichkeit machen. Einer davon ist, dass sie einfach keine Zeit finden. So ein Buch zu schreiben dauert eine Weile, und wenn man ganz am Anfang steht, sieht das vielleicht aus wie ein unüberwindbarer Berg.

Wie besteigt man einen Berg? Schritt für Schritt.

1. Mach regelmäßiges Schreiben zur Gewohnheit

Du musst nicht auf einen Rutsch ein ganzes Kapitel produzieren. Nicht einmal eine ganze Szene. Selbst wenn du dich jeden Tag hinsetzt und nur einen einzigen Absatz schreibst, hast du am Ende vom Jahr schon ein paar Kapitel zusammen. 

Hilfe, ein Jahr und die Geschichte ist dann immer noch nicht fertig? Trotzdem wirst du so am Ende mehr Kapitel geschrieben haben als in den Jahren zuvor. Und wenn deine Geschichte erstmal ins Rollen kommt, dann schreibst du vermutlich sowieso mehr als nur einen Absatz.

Aber du musst es regelmäßig tun. Finde eine Lücke in deinem Terminplan, die du dir fürs Schreiben reservierst. Jeden Tag eine halbe Stunde nach dem Abendessen. Die 20 Minuten Bahnfahrt zur und von der Arbeit/ Uni/ Schule. Oder jeden Sonntag zwei Stunden, die du dir blockst. Diese Zeiten solltest du einhalten. Genauso, wie du dir Zeit fürs Essen und Schlafen reservierst, nimmst du dir Zeit fürs Schreiben und legst andere Termine drumherum. Wenn du erst einmal eine Routine entwickelt hast, kannst du dich Stück für Stück voran arbeiten.

Gut, du hast dir eine regelmäßige Schreibzeit reserviert. Und jetzt sitzt du da und tippst einen Satz und findest ihn furchtbar und löschst ihn wieder. Nix, was du schreibst, klingt nach einem Romananfang, und du schaffst es einfach nicht, deine Gedanken in Worte zu verwandeln. Deine Zeilen erscheinen dir einfach nicht gut genug, um dem Werk deiner Träume gerecht zu werden. Was tun?

2. Sei geduldig mit dir selbst

Manche Autoren geben sofort auf, wenn ihre ersten Zeilen nicht perfekt klingen. Aber du würdest doch auch nicht erwarten, dass du konzertreif bist, wenn du das erste Mal eine Geige in die Hand nimmst, oder? Warum erwartest du dann von dir selbst beim Schreiben sofort Perfektionismus? 

Okay, wenn du nicht gerade in die erste Klasse gehst, bist du kein totaler Schreibanfänger. Aufsätze, Referate, Social Media Posts, Urlaubspostkarten, Liebesbriefe, Einkaufszettel … Aber vom Grundschulaufsatz bis zum Bestseller besteht ein gewaltiger Unterschied und es gibt dazwischen einige Dinge zu lernen und zu verstehen. Schreiben erfordert, wie jedes Hobby, Übung. Setz dich nicht unter Druck, je mehr du schreibst, desto besser wirst du werden, und wenn dein Anfang nicht gut ist, dann schreibst du ihn eben später nochmal neu. 

Was du nicht tun solltest, ist den Anfang wieder und wieder zu schreiben und zu überarbeiten und zu verwerfen, bevor du dich an die nächsten Szenen traust. Du kannst das tun, wenn du in der Feinschliffphase bist, bevor du dich an die Veröffentlichung machst, aber am Anfang wirst du dabei nichts lernen. Woher auch, du hast ja zwischen der letzten Version und der neuen keine Erkenntnisse gehabt. Du wirst nur immer frustrierter, weil du so viel Arbeit in etwas steckst und nicht vorankommst.

 Es gibt in der Schreibcommunity den Spruch "schreib schlecht!" und so seltsam das klingt, schlecht zu schreiben ist völlig okay. Überhaupt zu schreiben ist zunächst einmal das Ziel. Produziere erst einmal eine komplette Rohversion deiner Geschichte, und danach kannst du dich mit deiner ganzen gesammelten Erfahrung daran machen, sie zu überarbeiten und wirklich zu verbessern. Keine Angst, ich werde dir dabei helfen, wenn es so weit ist.

Du sitzt also jetzt jeden Tag da und tippst brav deine Zeilen, wie verkorkst sie dir in dem Moment auch vorkommen. Und das Ganze wird jetzt so weitergehen, vielleicht ein Jahr, vielleicht mehr (schließlich schwebt dir ein fünfteiliger Fantasyzyklus vor), während draußen die Sonne scheint und das Leben vorüberzieht und außerdem ist bei Steam gerade Summer sale … Warum nochmal hast du dir eigentlich kein aufregenderes Hobby ausgesucht? Am Ende scheitert das ganze Projekt noch an fehlender Motivation.

3. Du bist nicht allein!

Schreiben klingt nach einem einsamen Hobby, und wenn das ein Grund für dich ist, warum du es so liebst, sperr die Welt aus und mach es dir in deiner Schreibecke mit deinen eigenen Welten gemütlich. Aber auch für die extrovertierteren Schreiberlinge gibt es Möglichkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu motivieren.

Es gibt Online-Schreibforen, wo sich Schreibende austauschen können, gegenseitig Texte lesen und kritisieren und Hilfe bei Plotproblemen geben. Oder du schließt dich einem Autorenstammtisch an, wo man sich in geselliger Runde trifft und gemeinsam schreibt oder über die Figuren lästert, die nie tun, was sie sollen. Mit etwas Glück findest du einen Schreibbuddy und ihr könnt euch gegenseitig eure neuesten Szenen schicken oder gar vorlesen. Es gibt Schreibkurse, wo du nicht nur andere Leute kennenlernst, sondern auch ein paar Tricks und Kniffe lernen kannst, und schließlich kleine und große Buchmessen, auf denen sich Verleger, Autoren und Leser tummeln. 

So ein regelmäßiger Austausch kann helfen, dass du am Ball bleibst. Wenn fünf Bekannte auf deine neueste Szene warten, dann motiviert das schon ordentlich, sie zu schreiben. Ehrliches Feedback kann helfen, dich zu verbessern oder dich zu trauen, deine Geschichte in neue Richtungen zu lenken. Und schließlich kann man auch einfach mal ganz fern von Schreibthemen quatschen und Spaß haben. 

Und wenn du doch lieber für dich alleine werkelst, gibt es trotzdem Möglichkeiten, dich zu motivieren. Tracke deinen täglichen Fortschritt, indem du Wörter zählst. Oder setzte dir Zwischenziele bei bestimmten Ereignissen in deiner Geschichte. Erstelle dir ein Cover, Portraits deiner Figuren oder ein Moodboard, um dir selbst Lust auf deine Geschichte zu machen. Pass nur auf, dass du vor lauter Nebenquests das Schreiben nicht vernachlässigst.  

Schreiben ist ein Hobby, das sehr leicht zugänglich ist. Es kostet praktisch nichts, es hat eine große Community und am Ende hast du ein oder vielleicht sogar ein Dutzend Bücher in deinem Regal mit deinem Namen drauf. Gib dir einen Ruck und mach dem Schritt vom Traum, irgendwann mal einen Roman zu schreiben, zum Autoren.

Ich wünsche inspiriertes Schreiben!


1) Wenn du das alles noch nicht hast, lass dich nicht entmutigen! Dazu kommen wir in den nächsten Beiträgen. 


Falls du Fragen oder Probleme hast, über die du gerne einen Blogbeitrag hättest, hinterlasse einfach einen Kommentar


  

 

Klappentexte, die Lust auf mehr machen

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